Publikationen 2018
 



Lorenz Lassnigg

Wissenschaftliche Politikberatung: Fakten gegen Ideologie?

In den 2000ern hat „Evidence-based Policy“ an (rhetorischer) Bedeutung gewonnen. Für das Bildungswesen stellen sich besondere Herausforderungen, da dieses stark von ideologischen Erwägungen geprägt ist. In der EU-Politik wurde im Gefolge des Lissabon-Prozesses die „offene Koordination“ begonnen, mit einem formellen Monitoring der Festlegung von politischen Zielen und der Beobachtung ihrer Erreichung. Daraus ergeben sich verstärkt Aufgaben der Statistik und der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Forschung. Parallel hatte die OECD schon länger versucht, Konzepte und Bestandaufnahmen zur Bildungsforschung und deren politischer Nutzung zu formulieren.
Das Verständnis von Evidenz ist wissenschaftsintern
kontrovers. Zwei Argumente stellen das Konzept von Evidenzbasierung infrage. Erstens scheint die Gegenüberstellung von Fakten und Ideologie vordergründig, aber wissenschaftliche Fakten sind immer vorläufig und theorieabhängig. Zweitens stellt sich die Frage, wie gut Fakten politische Entscheidungen untermauern können. Hier gilt meist das „Hase-und-Igel-Theorem“, wo der Igel Politik immer schon da ist und der Hase Wissenschaft den Evidenzen nachläuft und letztlich zu spät kommt.
Die Problematik von Fakten und Ideologie kann nur dadurch aufgelöst werden, dass sich ideologische Kontrahenten – ob in Wissenschaft oder Politik – auf ernsthafte deliberative Diskurse sowohl über die Fakten als auch über die Ideologien einlassen, die in einem umfassenden Verständnis zu den Grundlagen der Demokratie gehören. Durch derartige reflexive Ansätze kann das Grundproblem der Technokratie wie auch des legitimierenden Missbrauchs der Wissenschaft überwunden werden.
Am Beispiel der österreichischen Erwachsenen-bildungspolitk wird gezeigt, dass zur Verwirklichung einer neuen, demokratisch und nicht technokratisch orientierten Politikberatung noch ein weiter Weg ist.
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Lorenz Lassnigg

Bildungsfinanzierung in Österreich: Intransparenz und Irr-rationalität

Bildungsfinanzierung in Österreich ist erstens durch hochgradige – jahrzehntelang bekannte – Intransparenz und zweitens durch eine geradezu groteske Irrationalität der politischen Diskurse behaftet. Die Irrationalität der Diskurse ist leicht daran zu erkennen, dass auf der einen Seite ohne allzuviel Widerspruch betont wird, dass zu viele Mittel für zu wenig Ergebnisse fließen, und dass auf der anderen Seite aber noch größerer Konsens darüber besteht, dass für jede durchgreifende Verbesserung zusätzliche Mittel erforderlich sind.
Der Beitrag betrachtet folgende Aspekte: Intransparenz und Anforderungen an Transparenz (1), irrationale Logik der politischen Diskurse (2), empirische Anhaltspunkte und Probleme der Finanzierung (3). Die Darlegungen zeigen, dass die Probleme tiefer liegen, als Kritiker ansprechen, und dass sie auf der Ebene der Realpolitik nicht lösbar erscheinen. Daher ist eine deliberative Wende in der Bildungspolitik nötig.
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Lorenz Lassnigg

[REZ] Bildungswertschöpfung: Zur politischen Ökonomie der berufsorientierten Weiterbildung, Bern 2017, von Walter Schöni

Rezensiert kurz das angegebene Buch. Das Buch transzendiert, unterstützt durch empirisches Material, die neoliberale Marktrhetorik und bietet praktische Ansätze für die Weiterbildung sowie Argumentationen für Gebrauchswert fördernde Politik. Es kann auch als Inspiration für die Analyse anderer Länder dienen.
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Lorenz Lassnigg, Julia Bock-Schappelwein, Eduard Stöger

Berufsbildung in Österreich. Strukturanalysen, Formalqualifikationen und Grundkompetenzen

Der vorliegende Beitrag verbindet unterschiedliche aktuelle Forschungsinteressen und - schwerpunkte in einer Reflexion auf die Analysen und Vorschläge zur Berufsbildung, die von Peter Posch und Herbert Altrichter vor nunmehr drei Jahrzehnten in dem Buch „Bildung in Österreich“ erarbeitet wurden. Eine der Grundideen der damaligen Studie bestand – im Sinne der reflexiven Moderne – darin, dass angesichts der steigenden Komplexität und Unbestimmtheiten in der Welt die herrschende instrumentelle Rationalität im Zentrum durch eine reflexive und dezentrale Rationalität in der Peripherie ergänzt und korrigiert werden muss. Es erscheint daher interessant, heutige Befunde und Sichtweisen im Lichte der früheren Analysen zu reflektieren.
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