Beschäftigung
Bildung

Projekte: Arbeitsmarktanalyse und Strukturveränderungen
 



Arbeitsgesellschaft und industrielle Demokratie in Europa

Zwei mögliche Szenarien für die Zukunft der Arbeitswelt:

  • Flexible (atypische) Beschäftigungsformen und die Selbstorganisation der Arbeitenden werden zum Regelfall. Die Verkaufsbedingungen der Arbeitskraft und die Festlegung der Arbeitsbedingungen werden frei zwischen Arbeitgeber und ArbeitnehmerInnen verhandelt; kollektive Interessenvertretungen überflüssig und demokratische Mitbestimmung der ArbeitnehmerInnen vom guten Willen der Arbeitgeber abhängig gemacht.
  • Korporatistische AkteurInnen versuchen die zunehmende Anzahl atypisch beschäftigter ArbeitnehmerInnen und deren Interessen zu integrieren. Strukturelle Gegensätze zwischen Arbeitgeber und ArbeitnehmerInnen werden nicht gänzlich zu Lasten Letzterer ausgetragen, indem z.B. ökonomische "Risiken" wie Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Schwangerschaft ohne Absicherung auf sie abgewälzt werden. Die Inklusion in eine gewerkschaftliche und betriebsrätliche Interessenvertretung garantiert allen ArbeitnehmerInnen demokratische Mitbestimmung auf europäischer, nationaler und betrieblicher Ebene.


Die Ziele des Forschungsprojekts:
Obwohl die tatsächliche Entwicklung ungewiss ist, zielt das Projekt darauf ab, neue Erkenntnisse über den Organisationsbedarf atypisch Beschäftigter auf der einen Seite sowie die Organisationsfähigkeit korporativer Akteure auf der anderen Seite im Vergleich zwischen Österreich und Deutschland zu liefern.

Forschungsdesign und Forschungsfragen:
Anhand von Unternehmensfallstudien in drei Branchen (Elektroindustrie, Call Center und berufsbezogene Erwachsenenbildung) werden mittels Fokusgruppen und ExpertInneninterviews mit atypisch Beschäftigten (LeiharbeitnehmerInnen und abhängige Selbständige) und Arbeitnehmervertretungen folgende zentrale Fragen erörtert:

  • Wie können Gewerkschaften neue/alte Mitglieder (wieder) gewinnen und dauerhaft binden, um durch deren Beiträge jene finanziellen Ressourcen zu lukrieren, die ein auf freiwilliger Mitgliedschaft beruhender Verband für die Durchsetzung kollektiver Interessen benötigt und um eine "kritische Masse" an Mitgliedern zu erreichen, welche die Arbeitgeberseite und den Staat zu Zugeständnissen für die wachsende Anzahl atypisch Beschäftigter bewegen kann? [Rekrutierungsproblem]
  • Wie können Gewerkschaften die zunehmend heterogenen Interessenlagen ihrer Mitglieder (resultierend u.a. aus den verschiedenen atypischen Beschäftigungsverhältnissen) durch interne Willensbildungsprozesse soweit vereinheitlichen, dass kollektive Handlungsfähigkeit vis a vis den Arbeitgebern und dem Staat gegeben ist? [Aggregationproblem]
  • Welche neuen oder bewährten Mitbestimmungs- und Beteiligungsmodelle für die atypisch Beschäftigten können durchgesetzt werden um die "Asymmetrien im lohnabhängigen Arbeitsverhältnis (erneut zu) korrigieren" (Baglioni 1999)? [Steuerungsproblem/Effektivität]



Angestrebte Ergebnisse des Forschungsprojekts:

  • Die Einschätzung der Entwicklungstrends atypischer Beschäftigung innerhalb der Europäischen Union und mit besonderer Berücksichtigung der Vergleichsländer Österreich, Deutschland und Großbritannien
  • Eine Auslotung aktueller und potenzieller Partizipationsmöglichkeiten von LeiharbeitnehmerInnen und abhängigen Selbständigen auf allen Ebenen der Arbeitsbeziehungen (v.a. betrieblich und branchenspezifisch und national)
  • Eine Erhebung des Bedarfs von LeiharbeitnehmerInnen und abhängigen Selbständigen an einer kollektiven Interessenvertretung, um daraus Handlungsanleitungen für die betreffenden Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und die Gesetzgeber abzuleiten
  • Auf Grundlage der empirischen Erhebungen und Sekundärdatenanalysen wollen wir zudem einen Beitrag zur Theoriebildung im Bereich der industriellen Demokratie und der Verbändeforschung leisten.


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Projektteam

Susanne Pernicka, Universität Wien, Institut für Staatswissenschaft und Vergleichende Gesellschaftswissenschaft, Abteilung Wirtschaftssoziologie, Lorenz Lassnigg, Institut für Staatswissenschaft und Vergleichende Gesellschaftswissenschaft, Abteilung Wirtschaftssoziologie, Kurt Mayer

Laufzeit

03.2004–08.2006 (abgeschlossen)

Auftraggeber

BMBWK

Sonstiges

Das Projekt erfolgt im Rahmen des NODE Programms